Theologie des Leibes.
Empfehlungen, Hinführungen zum Thema.
Beginnend 1979, vollendet 1981, veröffentlicht Johannes Paul II. 133 Katechesen zur ‚Theologie des Leibes‘:
Johannes Paul II.: Zur Theologie des Leibes.
Eingeleitet und kommentiert von Norbert und Renate Martin,
Patris Verlag, 1985.
Johannes Paul II. verbindet in seinen Vermittlungen das Hohelied der Liebe, das Buch Tobit und die Pastoralkonstruktion ‚Gaudium et spes‘ (1965). Dort wird die Ehe als freie und heilige Gabe geistiger und körperlicher Liebe verstanden, „in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen“ (GS 48) – im Verständnis der Parallele zu Gott: ER hat SICH den Menschen in Jesu Christi Gestalt geschenkt, ebenso sollen sich die Menschen einander schenken – als der ihnen möglichen höchsten Form der Liebe. Diese gegenseitige Dar-bietung ist Zentralaspekt und Grundlage der von Johannes Paul II. entwickelten Theologie.
Maria Gross, Vorstandsvorsitzende von ‚Knotenpunkt e. V. – Begegnung verbindet‘, ist die bekannteste deutschsprachige Publizistin zum Thema: https://eos-verlag.de/die-liebe-nach-der-wir-uns-sehnen/, vgl. auch: https://www.begegnungverbindet.de/publikationen/.
Von den vielen besonderen Gesprächen mit Maria Gross, hier das umfassendste auf Radio Horeb, aufgenommen am Valentinstag, dem 14. Februar 2021, moderiert von Anjuta Engert:
Ebenso hörenswert, ‚Der Laden des Goldschmieds‘, Radio Horeb, Oktober 2019, Maria Gross und Gregor Dornis:
Vgl. des weiteren zum Thema:
https://www.begegnungverbindet.de/knotenpunkt/themen/theologie-des-leibes/,
https://www.begegnungverbindet.de/audio/,
https://www.begegnungverbindet.de/aktuelles/,
https://www.deutschlandfunk.de/johannes-paul-ii-und-die-sexualitaet-einseitige-leibesuebung-100.html.
Sowie:
Studiendokumente: Theologie des Leibes – 1. Teil und 2. Teil.
Quelle: Karl-Leisner-Jugend: http://www.k-l-j.de/schriftenreihe.htm (Nr. 82 und 83).
Se. Mons. Jean Laffitte: Die Theologie des Leibes.
Die Einheit von Mann und Frau als Vollkommenheitsaspekt
Gottes; Referat an der Katholischen Universität Eichstädt.
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Das Geheimnis der Selbstannahme.
„Was ändert sich, wenn ich mich als Gabe begreife?“ Essay,
Vortrag, 18.11.2021.
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Zu den Quellen der Angst.
„Versuch über das Abgründige“, Tagungsvortrag im Stift
Heiligenkreuz/Wien, 2013 – nur im Audioformat verfügbar:
Dieser Vortrag, unter vielen anderen, ist außerdem hier zu finden (2. Seite, 2. Datei): https://www.horeb.org/mediathek/podcasts/kurs-0/.
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Liebe und Freiheit –
geht das zusammen?
Philosoph Peter
Trawny im Gespräch mit Christian Möller, 06.10.2019.
Primärquelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosoph-peter-trawny-liebe-und-freiheit-geht-das-zusammen-100.html.
Romantische Liebe heißt, sich einander ganz und gar hinzugeben. Der Zeitgeist aber verlangt von uns Autonomie und Selbstbestimmung. Stehen Liebe und Freiheit im Widerspruch? ‚Freie Liebe‘ hieß eine der bekanntesten Forderungen der 68er: Ganz ungebunden, spontan sollte die Liebe sein, ohne die Zwänge und den Muff der bürgerlichen Gesellschaft. Heute hingegen habe die Freiheit die Liebe gewissermaßen übertrumpft, so der Philosoph Peter Trawny im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur:
Auszüge aus dem Gespräch/Kommentierung:
Liebe im
Spätkapitalismus.
Der neoliberale
Kapitalismus verlange von uns ein Maß an Autonomie und Selbstbezogenheit, das
mit Liebe im romantischen Sinne kaum zu vereinbaren sei: „Der Neoliberalismus
stellt das autonome Subjekt in den Mittelpunkt seiner ökonomischen
Auffassungen.“ In diesen Auffassungen komme der Andere nicht vor, so Trawny.
Liebe hingegen bedeute gerade, „den Ansprüchen des Anderen nachzugeben, soweit,
daß man vielleicht sogar bereit ist, sich dem anderen zu unterwerfen.“
Für Liebe kann man
sich nicht entscheiden.
Die Entscheidung für
die Liebe zu jemandem sei keine eigentlich freie, denn: „Ich entscheide mich
für etwas, das schon existiert, nämlich die Liebe. Natürlich muß man Ja
zueinander sagen – aber dieses Ja ist insofern kein absolut freies, als es
schon Antwort auf eine Erfahrung ist.“ Dieses
Spannungsverhältnis steht im Zentrum von Trawnys jüngstem Buch, „Philosophie
der Liebe“, das neben Denkern wie Hannah Arendt und Baruch de Spinoza auch
Beispiele aus der Popkultur von Björk bis Astrid Lindgren behandelt. Den
Gegensatz zwischen Freiheit und Liebe erkennt der Philosoph bereits im
Verhältnis zwischen Aufklärung und Romantik. Die Aufklärung, etwa bei Kant,
habe den Menschen als radikal frei, autark und vernünftig entworfen – eben ohne
Bezug auf den Anderen – und „alle dunkleren, intimeren, nicht-aufklärbaren
Lebensverhältnisse“ verdrängt.
Romantische Liebe
statt aufgeklärte Freiheit?
Darauf habe die
Romantik mit einer entgegengesetzten Bewegung reagiert, indem sie gerade diese
verdrängten Aspekte des Menschen, zu denen man auch die Liebe zählen könne,
hervorhob: Die Liebe als dunkle treibende Kraft, die sich unseren
Verstandeskräften und unserem freien Willen entzieht. Liebe und Freiheit,
jeweils in einem solchen radikalen Sinne, seien unvereinbar, so Trawny. Seitdem
hätten sich die Liebesformen selbstverständlich enorm vervielfältigt, mit
offenen Beziehungen oder solchen mit mehreren Partnern und Dating-Apps, die es
ermöglichen „sehr individuell seine erotischen Bedürfnisse zu befriedigen“. Überhaupt
stellt Trawny, der in Wuppertal Philosophie lehrt, den „Bedeutungsüberschuß“
der Liebe fest: „Die Liebe ist immer mehr als man meint.“ Vor diesem
Hintergrund verwehrt sich Trawny ausdrücklich dagegen, „irgendeine Liebesform
als Maß für alle anderen Liebesformen anzusetzen“.
Wir sind immer noch
Romantiker.
Trotzdem hält er das
romantische Liebesideal, mit seiner Sehnsucht nach der oder dem ‚Einen‘, für
immer noch wirksam: In uns gäbe es nach wie vor eine „Stimme, die mir das
nahelegt“. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob die Menschen in den
radikal ungebundenen Beziehungsformen der Gegenwart wirklich „glücklich
werden“, oder ob nicht doch etwas fehle, nämlich der Halt und die Hingabe, die
das romantische Ideal verspreche. „Und ich würde sagen, es gibt Hinweise
darauf, zum Beispiel die Frequenz der Nutzung von Psychotherapien, daß
tatsächlich etwas fehlt.“
Widerstreitende
Ansprüche.
Wir müssen uns also
zu widerstreitenden Ansprüchen verhalten: Autonom, frei, unabhängig sein, wie
es Aufklärung und Kapitalismus verlangen – und zugleich eine Sehnsucht nach
echter Bindung befriedigen, wie es das verinnerlichte romantische Liebesideal
erfordert. Wo wäre der Ausweg aus diesem Dilemma? Trawny erkennt in den
individuellen Bemühungen um Klimaschutz einen Beweis dafür, „daß es doch eine
Möglichkeit gibt, nicht in allen Bereichen einfach nur mitzuspielen“ und es
also auch bezüglich der eigenen Liebe Möglichkeiten gebe, „sich kritischer zu
solchen Phänomenen wie Tinder zu verhalten“.
Vgl.:
Peter Trawny:
„Philosophie der Liebe“
S. Fischer, Frankfurt a.M.
272 Seiten, 22 Euro.
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