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Archiv Stiftung Werkvermächtnisse
„Der bestirnte Himmel
über mir …“ ist der Mikrokosmos.
Ihr versucht, Ihn unter Euere Mikroskope zu legen: ... und ‚Gott‘ lächelt sanft über solche Einfalt! - Alles ist Geist.
[*]Schopenhauer, Arthur (1788-1860), bedeutender deutscher
Philosoph, in: Die Welt als Wille und Vorstellung, Band I, Kapitel 10, § 8:
„Obwohl oft gesagt worden, daß man der Wahrheit nachspüren soll, auch wo kein
Nutzen von ihr abzusehen, weil dieser mittelbar sein und hervortreten kann, wo
man ihn nicht erwartet; so finde ich hier doch noch hinzuzusetzen, daß man auch
ebenso sehr bestrebt sein soll, jeden Irrtum aufzudecken und auszurotten, auch
wo kein Schaden von ihm abzusehen, weil auch dieser sehr mittelbar sein und
einst hervortreten kann, wo man ihn nicht erwartet: Denn jeder Irrtum trägt ein
Gift in seinem Innern. Ist es der Geist, ist es die Erkenntnis, welche den Menschen zum Herrn der Erde macht; so gibt es keine
unschädlichen Irrtümer, noch weniger ehrwürdige, heilige Irrtümer. Und zum
Trost derer, welche dem edlen und so schweren Kampf gegen den Irrtum, in irgend
einer Art und Angelegenheit, Kraft und Leben widmen, kann ich mich nicht
entbrechen, hier hinzuzusetzen, daß zwar so lange, als die Wahrheit noch nicht
dasteht, der Irrtum sein Spiel treiben kann, wie Eulen und Fledermäuse in der
Nacht: aber eher mag man erwarten, daß Eulen und Fledermäuse die Sonne zurück
in den Osten scheuchen werden, als daß die erkannte und deutlich und
vollständig ausgesprochene Wahrheit wieder verdrängt werde, damit der alte
Irrtum seinen breiten Platz nochmals ungestört einnehme. Das ist die Kraft der
Wahrheit, deren Sieg schwer und mühsam,
aber dafür, wenn einmal errungen, ihr nicht mehr zu entreißen ist.“
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